

das Land
| offizieller Name | Republik Paraguay |
| Hauptstadt | Asunción |
| Fläche | 406.752 km² |
| Geographische Gliederung | im W Aufschüttungsebene des Gran Chaco, im O Hügel- und Tafelland, im Zentrum Tiefland des Paraguay |
| Klima | im N tropisch, sons subtropisch |
| Hauptflüsse | Paraguay, Paraná, Rió Verde |
| höchster Punkt | 680 m nahe Villerica |
| tiefster Punkt | 55 m am Zusammenfluss von Paraguay und Paraná |
die Regierung
| Regierungsform | Präsidiale Republik |
| Staatsoberhaupt | Staatspräsident |
| Regierungschef | Staatspräsident |
| Administrative Gliederung | 18 Bezirke ( 17 Departamentos und die Hauptstadt) |
| Legislative | Zweikammerparlament, bestehent aus dem Senat mit 45 und dem Abgeordnetenhaus mit 80 auf 5 Jahre gewählten Abgeordneten |
| Gerichtswesen | 1 Oberster Gerichtshof, 4 Appelationsgerichte, Amtsgerichte |
| Streitkräfte | 12-monatige Wehrpflicht (Marine 2-Jahre) |
die Leute
| Bevölkerungszahl | 5 359 000 = 13,2 je km² (1999) |
| Sprache | Spanisch, Guaraní |
| Religion | Katholiken 93% |
die Wirtschaft
| Währung | 1 Guaraní (G) = 100 Céntimos |
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EINLEITUNG
Paraguay (Republik Paraguay), Binnenstaat in Südamerika, grenzt im Nordwesten und Norden an Bolivien, im Osten an Brasilien und im Süden und Südwesten an Argentinien. Die Gesamtfläche beträgt 406 752 Quadratkilometer, Hauptstadt des Landes ist Asunción. PHYSISCHE GEOGRAPHIE
Der Fluss Paraguay teilt das Land in zwei Großeinheiten. Die westliche Region umfasst das flache Aufschüttungsgebiet des Gran Chaco, einer ausgedehnten Ebene, die sich von Paraguay aus auch nach Bolivien, Argentinien und Brasilien erstreckt. Grasfluren, Sümpfe und lichter Buschwald prägen diese Region. Die östliche Region wird überwiegend von den südlichen Ausläufern des Paraná-Plateaus eingenommen. Dieser 300 bis 700 Meter hoch gelegene Landesteil bildet eine Wasserscheide zwischen den Einzugsgebieten der Flüsse Paraguay und Paraná und ist Quellgebiet zahlreicher Nebenflüsse. Nach Westen fällt das Hochland steil ab, nach Osten flacht es allmählich zum Tiefland des Paraná ab, der die östliche Landesgrenze bildet. Dritter Hauptfluss des Landes ist der Pilcomayo. Der Ypoá ist der einzige größere Binnensee. Unter Paraguays zahlreichen Wasserfällen sind die Guairá-Fälle besonders beeindruckend. Klima Paraguay hat subtropisches Klima. In Asunción reichen die mittleren Temperaturen von 17 °C im Juli bis 27 °C im Januar. Im Gran Chaco können an heißen Tagen 45 °C überschritten werden, während die Temperaturminima um-2 °C liegen. Die Jahresniederschläge erreichen im Bergland bis 2 000 Millimeter und sinken nach Westen auf Werte um 500 Millimeter. Die Hauptregenzeit dauert von Dezember bis März. Flora und Fauna Etwa 3,5 Prozent (1997) der Landesfläche Paraguays stehen unter Naturschutz. Paraguay teilt im Wesentlichen die Tier- und Pflanzenwelt des umliegenden Südamerika. Im niederschlagsreichen Osten gedeiht dichter, immergrüner Regenwald, der eine Vielfalt tropischer Baum-, Gras- und Farnarten beherbergt. Im Gran Chaco ist die Vegetation vergleichsweise artenarm. Verbreitet ist hier der rote Quebrachobaum, der besonders reich an Tannin ist. Zwischen 1990 und 1996 wurden jährlich 0,51 Prozent des einheimischen Baumbestandes zerstört. Sollte sich die Entwaldung in dieser Geschwindigkeit fortsetzen, werden bis zum Jahr 2010 nur noch wenige der Wälder Paraguays überleben. Zur Tierwelt Paraguays gehören Gürteltiere, Capybaras (große Nagetiere), Tapire, Jaguare, Ameisenbären, Wildschweine, Damhirsche, Kaimane und verschiedene Schlangenarten. Zu den heimischen Vögeln zählen Tukane, Ibisse, Reiher, Dunkelenten, Rebhühner, Sittiche und andere Papageien sowie Nandus. Viele Vogelarten haben ein auffallend farbenfrohes Gefieder. BEVÖLKERUNG Die Einwohnerzahl Paraguays beträgt etwa 5,73 Millionen (2001), wobei etwa 98 Prozent der Bevölkerung in der Ostregion leben. Die Bevölkerungsdichte liegt landesweit bei 14 Einwohnern pro Quadratkilometer. Die ethnische Zusammensetzung der Bevölkerung ist überaus homogen. Etwa 95 Prozent sind Mestizen, Menschen weißer (vor allem spanischer) und indianischer (Abkömmlinge der Guaraní) Abstammung. Jeweils 2 Prozent der Einwohner stellen die vor allem in Asunción lebenden Weißen sowie die Guaraní des Regenwaldgebiets; 1 Prozent sind Asiaten. Zu den eingewanderten Gruppen zählen auch die Mennoniten, eine deutschsprachige evangelische Sekte. Die mittlere Lebenserwartung liegt bei 73,9 Jahren. Wichtige Städte
Zu den größten Städten Paraguays gehören die Landeshauptstadt Asunción (630 000 Einwohner), die über einen Binnenhafen am Paraguay verfügt, sowie Ciudad del Este (133 893 Einwohner) und San Lorenzo (130 000 Einwohner). Insgesamt leben 55 Prozent der Bevölkerung in Städten. Sprache und Religion Die Amtssprachen sind Spanisch und Guaraní. In ländlichen Gebieten wird oft ausschließlich Guaraní gesprochen. Im Grenzgebiet zu Brasilien ist auch Portugiesisch geläufig. Das Spanisch in Paraguay wird als Castellano (Kastilisch) und nicht als Español bezeichnet. Viele Wörter aus dem Guaraní wurden ins Spanische übernommen. Die römisch-katholische Religion ist Staatsreligion; zu ihr bekennen sich mehr als 95 Prozent aller Paraguayer. Andere Glaubensrichtungen genießen religiöse Freiheit. Es gibt einige kleine protestantische Gemeinden, von denen die Mennoniten die größte Gruppe bilden. Feiertage Die wichtigsten Feiertage in Paraguay sind der Neujahrstag, der Dreikönigstag (6. Januar), der Carnaval, der Heldengedenktag (1. März), die Semana Santa (die Woche vor Ostern), der Tag der Arbeit (1. Mai), der Unabhängigkeitstag (15. Mai), der Jahrestag des Waffenstillstands von Chaco (12. Juni), der Día de la Amistad (Tag der Freundschaft, 30. Juli), der Gründungstag von Asunción (15. August), der Tag der Verfassung (25. August), der Tag des Sieges von Boquerón (29. September), der Kolumbustag (12. Oktober), Allerheiligen (1. November), das Fest der Jungfrau von Cacupe (8. Dezember) und Weihnachten (25. Dezember). BILDUNG UND KULTUR Das Bildungsniveau der Bevölkerung ist hoch. Die paraguayische Kultur setzt sich hauptsächlich aus der Tradition der Guaraní und Spanier sowie jüngerer argentinischer, deutscher und italienischer Beiträge zusammen. Da Paraguay lange Zeit von äußeren Einflüssen relativ isoliert war, haben sich viele kulturelle Eigentümlichkeiten, die von den spanischen Eroberern, Handwerkern und Jesuitenmissionaren im 16. und 17. Jahrhundert eingeführt worden waren, bis heute erhalten. Bildung In Paraguay gilt allgemeine Schulpflicht für Kinder von 6 bis 12 Jahren, allerdings fehlt es teilweise an Schulen. Der Alphabetisierungsgrad liegt bei 97,2 Prozent. Es gibt zwei Universitäten, die Nationaluniversität (1890) und die katholische Universität (1960); beide befinden sich in Asunción. Kultureinrichtungen Der Ateneo Paraguayo, ein führendes Kulturzentrum, stellt finanzielle Mittel für Kunstausstellungen und Konzerte bereit. Die Guaraní-Kultur wird von der Akademie für Sprache und Kultur der Guaraní, vom indianischen Verein Paraguays und vom Guaraní-Theater gefördert. Die bedeutendsten Bibliotheken und Museen befinden sich alle in Asunción. Dazu gehören das Nationalarchiv, die amerikanische Bibliothek des Nationalmuseums der Schönen Künste, das neben Büchern vor allem Gemälde und historische Gegenstände beherbergt, sowie die Bibliothek der paraguayischen Gesellschaft der Wissenschaften. Bekannte Kulturstätten sind darüber hinaus das ethnographische Museum und das militärhistorische Museum. Kunst In der paraguayischen Literatur nehmen Geschichtsschreibung und juristisches Schrifttum einen herausragenden Platz ein. Zu den berühmtesten paraguayischen Schriftstellern des 20. Jahrhunderts zählen Juan Natalicio Gonzalez und Manuel Ortiz Guerrero. Seit frühester Zeit haben die Guaraní einfache Blas- und Schlaginstrumente benutzt, vor allem Holzflöten, Pfeifen, Rasseln und Glocken. Gitarren und Harfen, die von den frühen spanischen Siedlern ins Land gebracht wurden, sind die Grundinstrumente der zeitgenössischen paraguayischen Musik. Zu den ältesten Formen der Volksmusik zählt die Polka. Die Guarania, ein Anfang des 20. Jahrhunderts kreiertes Lied zu einer eingängigen Melodie, ist das erste Musikstück, das sich von der spanischen kolonialen Tradition abhebt. Vieles in der paraguayischen Kunst wurzelt in der religiösen Tradition. Die bildende Kunst hat daher ihren Platz oft in der Ausstattung von Kirchen. Frühe Beispiele indianischer Kunst und spanischen Barockstiles sind Heiligenfiguren an Ziergiebeln und Kanzeln oder prächtige, holzgeschnitzte Hochaltäre. Bekannteste zeitgenössische Maler sind Alborno und Juan Samudio. Das bekannteste kunstgewerbliche Erzeugnis Paraguays ist ñandutí, eine überaus feine Spitze. VERWALTUNG UND POLITIK Nach der Verfassung von 1992 ist Paraguay eine präsidiale Republik, die dem Staatsoberhaupt große Machtbefugnisse einräumt, aber jedem Amtsinhaber nur eine einzige Amtsperiode erlaubt. Exekutive Staatsoberhaupt und Regierungschef ist der Präsident. Er wird für eine Amtszeit von fünf Jahren direkt gewählt; eine Wiederwahl ist nicht möglich. Der Präsident ist Oberbefehlshaber der Armee und ernennt die Mitglieder des Kabinetts und des Obersten Gerichtshofes. Legislative Paraguay hat ein Zweikammerparlament, bestehend aus dem Senat (45 Mitglieder) und dem Abgeordnetenhaus (80 Mitglieder). Die Parlamentarier werden für fünf Jahre gewählt. Judikative Das höchste Gericht in Paraguay ist der Oberste Gerichtshof, der sich aus fünf vom Präsidenten ernannten Richtern zusammensetzt. Der obersten juristischen Instanz nachgeordnet sind Appellationshöfe, Gerichte erster Instanz, Amtsgerichte und Friedensgerichte. Politik Die führende politische Partei in Paraguay ist die Asociación Nacional Republicana (ANR), auch Partido Colorado (PC) genannt, der auch der Staatspräsident angehört. Im Parlament vertreten sind außerdem der Partido Liberal Radical Auténtico (PLRA) und der konservative Partido Encuentro Nacional (EN), die sich zur Alianza Democrática zusammenschlossen. Kommunalverwaltung Paraguay ist in 17 Verwaltungsgebiete (Departamentos) gegliedert, denen jeweils ein vom Präsidenten ernannter Gouverneur vorsteht. Die Departamentos sind in Bezirke und diese wiederum in Stadt- oder Landkreise untergliedert. Verteidigung In Paraguay besteht allgemeine Wehrpflicht mit einer Dienstzeit von 18 Monaten (in der Marine 24 Monate). Das Militär hat lange Zeit die politischen Institutionen in Paraguay beherrscht. WIRTSCHAFT Der wichtigste Wirtschaftszweig Paraguays ist die Landwirtschaft, auch wenn seit den siebziger Jahren der Industriesektor beträchtliche Zuwachsraten verzeichnet. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) beträgt 7 741 Millionen US-Dollar (1999; Dienstleistungen 44,6 Prozent, Industrie 26,2 Prozent, Landwirtschaft 29,1 Prozent); daraus ergibt sich ein BIP pro Kopf von 1 440 US-Dollar. Landwirtschaft In der paraguayischen Wirtschaft stehen Ackerbau und Viehzucht an erster Stelle. Etwa 5 Prozent der Bevölkerung arbeiten im Agrarsektor. Während die ausgedehnten Grasfluren des Gran Chaco nahezu ausschließlich weidewirtschaftlich genutzt werden, wird östlich des Paraguay vorwiegend Ackerbau betrieben. Hauptanbauprodukte sind Sojabohnen, Maniok, Baumwolle, Zuckerrohr und Getreide. Die Rinderhaltung konzentriert sich eher auf die Fleischproduktion als auf die Milchwirtschaft. Sozial problematisch ist die Besitzstruktur, die noch immer durch Großgrundbesitz geprägt wird. Forstwirtschaft und Fischerei Ungefähr 58,8 Prozent (2000) der Gesamtfläche von Paraguay sind bewaldet, zur Gewinnung von Ackerland werden jedoch häufig Wälder gerodet. Weite Waldgebiete werden forstwirtschaftlich genutzt. Forstwirtschaftliche Produkte sind neben Holz Tannin und Petitgrain, ein Öl, das zur Parfumherstellung verwendet wird. Die Fischerei in den großen Strömen ist dagegen eher unbedeutend. Bergbau Der Bergbau spielt in Paraguay keine große Rolle. Zwar sind Erdöl-, Eisenerz-, Manganerz-, Steinsalz- und andere Minerallagerstätten nachgewiesen, sie werden aber nur in geringem Umfang abgebaut. Lediglich die Förderung von Kalkstein wird intensiver betrieben. Industrie Die industrielle Produktion beschränkt sich weitgehend auf die Verarbeitung land- und forstwirtschaftliche Güter. Vorherrschende Zweige sind Holz- und Fleischverarbeitung, Gewinnung pflanzlicher Öle sowie Herstellung von Süßwaren und Fruchtsäften. Darüber hinaus gibt es Textil- und Glasfabriken sowie ein Zementwerk. 22 Prozent der Erwerbstätigen sind in der Industrie beschäftigt. Währung und Außenhandel Die Währung Paraguays ist der Guaraní zu 100 Centimos. Die Zentralbank von Paraguay (1952) gibt Banknoten aus und überwacht den Außenhandel. Hauptimportgüter sind Erdöl, Maschinen, Fahrzeuge und Metallwaren, exportiert werden vor allem Baumwolle, Sojabohnen, Holz und Fleisch. Haupthandelspartner sind Brasilien, Argentinien, die Vereinigten Staaten, Deutschland und die Niederlande. Gewerkschaften Der Staat kontrolliert die gewerkschaftlichen Aktivitäten. Etwa 20 000 Beschäftigte sind gewerkschaftlich organisiert. Fast alle gehören einer der 13 Gewerkschaftsorganisationen der Confederación Paraguaya de Trabajadores (Dachverband der paraguayischen Arbeiter) an. Verkehrswesen Die verkehrsmäßige Erschließung des Landes ist in weiten Teilen noch unzureichend. Lange Zeit bildeten die 2 900 Kilometer Binnenwasserstraßen (hauptsächlich die Flüsse Paraná und Paraguay) die wichtigsten Verkehrswege für den Gütertransport. Das Straßennetz umfasst 29 500 Kilometer, wovon nur rund 10 Prozent asphaltiert sind. Paraguay ist an den Pan-American Highway angeschlossen; der Trans-Chaco Highway verbindet Asunción mit Bolivien. Paraguay verfügt über ein Schienennetz von 440 Kilometern. Asunción hat einen 1980 fertig gestellten internationalen Flughafen; staatliche Luftverkehrsgesellschaft ist die Líneas Aéreas Paraguayas (LAP). Energie
99,79 Prozent der gesamten elektrischen Energie Paraguays werden in Wasserkraftwerken erzeugt. Das große Itaipú-Projekt am Paraná, ein Staudamm zur Erzeugung elektrischer Energie, wurde 1984 eröffnet. Bei Projekten zur Energieerzeugung kooperiert Paraguay eng mit den Nachbarstaaten. GESCHICHTE Die Ureinwohner Paraguays waren Indianer verschiedener Stämme, die kollektiv Guaraní genannt wurden, da ihnen diese Sprache gemeinsam war. Als erster Europäer kam der portugiesische Entdecker Alejo García vermutlich um 1525 ins Land. In den darauf folgenden Jahren erkundete der italienische Seefahrer Sebastiano Caboto, der damals in spanischen Diensten stand, die Flüsse des Landes. Spanische Besiedlung Auf der Suche nach Gold kamen 1537 spanische Abenteurer an den Fluss Paraguay und errichteten dort ein Fort, das sie Nuestra Señora Santa María de la Asunción nannten. Das koloniale Paraguay und das Gebiet des heutigen Argentinien wurden bis 1620 gemeinsam verwaltet, dann kamen sie als separate Landesteile zum Vizekönigreich Peru. Seit 1609 begannen die Jesuiten unter schwierigsten Bedingungen mit dem Bau von so genannten reducciones, Siedlungen bekehrter Indianer, die von den Missionaren unterrichtet und angeleitet wurden. Das Gemeindeleben in diesen Siedlungen ähnelte der Lebensweise der Ureinwohner. Da die Jesuiten in fast vollkommener Unabhängigkeit von zivilen und kirchlichen Behörden wirkten, waren sie dank ihrer Missionen sehr einflussreich. 1750 trat König Ferdinand VI. von Spanien im Vertrag von Madrid paraguayisches Staatsgebiet, darunter sieben reducciones, an Portugal ab. 1767 wurden die Missionare aus dem spanischen Einflussbereich in Südamerika, einschließlich Paraguay, vertrieben. Anschließend verfielen die Missionen in kurzer Zeit. 1776 schuf Spanien das Vizekönigreich Río de la Plata, welches das Gebiet der heutigen Staaten Argentinien, Paraguay, Uruguay und Bolivien umfasste. Paraguay wurde ein fernes Anhängsel von Buenos Aires, der Hauptstadt des Vizekönigreiches. Das Land fiel nach und nach in völlige Bedeutungslosigkeit, aus der es sich erst im 19. Jahrhundert befreite. Unabhängigkeit 1810 erklärte Argentinien seine Unabhängigkeit von Spanien; Paraguay vollzog diesen Schritt am 14. Mai 1811. Drei Jahre später begann unter dem Diktator José Gaspar Rodríguez Francia, der bis zu seinem Tod 1840 herrschte, eine Zeit der Abgeschiedenheit. Aus Furcht, Paraguay könnte eine Beute des stärkeren Nachbarn Argentinien werden, betrieb Francia eine streng isolationistische Politik. 1844 wurde sein Neffe Carlos Antonio López Präsident und Diktator. Er förderte den Handel, regte viele Reformen an, und begann mit dem Bau einer Eisenbahnlinie. Unter seiner Herrschaft wuchs die Bevölkerung Paraguays auf mehr als eine Million an. Ein ruinöser Krieg Nach López’ Tod 1862 folgte sein Sohn Francisco Solano López. Dieser wollte das Territorium Paraguays vergrößern und führte 1865 Krieg gegen eine Allianz aus Argentinien, Brasilien und Uruguay. In diesem Krieg verlor Paraguay weite Gebiete, und als mit López’ Tod 1870 auch der Konflikt zu Ende ging, war mehr als die Hälfte der Bevölkerung umgekommen. Die Wirtschaft des Landes war in einem desolaten Zustand. Das Land blieb bis 1876 von brasilianischen Truppen besetzt, und die Friedensverträge legten dem Land erdrückende Reparationen auf. Wiederaufbau Paraguays Geschichte nach dem Krieg war durch die Bemühungen geprägt, das zerstörte Land wieder aufzubauen. Die Einwanderung wurde gefördert, daneben wurden staatliche Hilfen für landwirtschaftliche Nutzung gewährt. Die politische Unsicherheit als Folge des Krieges blieb aber noch mehrere Jahrzehnte bestehen, vor allem in der Zeit von 1870 bis 1912, als sich kein Präsident eine volle Amtsperiode hindurch an der Spitze des Landes halten konnte. Perioden politischer Stabilität wechselten mit Zeiten der Krise und des Aufruhrs. Die Regierungszeit Eduardo Schaerers (1912-1916) war von politischem Weitblick gekennzeichnet. Das Land blieb während des 1. Weltkrieges (1914-1918) neutral und wirtschaftlich stabil. Auch die Regierungen von Manuel Gondra (1920/21), Eusebio Ayala (1921-1923) und Eligio Ayala (1923-1928) standen für Frieden und Fortschritt. Das Gebiet um die Grenze zu Bolivien, die nie offiziell festgelegt worden war, wurde 1929 bis 1932 Schauplatz zahlreicher Gefechte. 1929 brach der Chacokrieg aus, nachdem bolivianische Truppen weiter vorgerückt waren. Ein Waffenstillstand wurde 1935 unterzeichnet. Bei einer abschließenden Regelung, die eine Schiedskommission 1938 ausarbeitete, erhielt Paraguay drei Viertel des umstrittenen Gebiets. Nach dem Krieg wurde die Regierung umgebildet, mit dem Ziel, weit reichende wirtschaftliche und soziale Reformen einzuleiten. Eine neue Verfassung, die 1940 angenommen wurde, gab den staatlichen Behörden die Kontrolle über die Wirtschaft. Gleichzeitig wurde die Regierung zentralisiert. Paraguay erklärte am 7. Februar 1945 Deutschland und Japan den Krieg. Das Land wurde später Mitunterzeichner der Charta der Vereinten Nationen. Morínigo und Chávez 1940 hatte sich General Higinio Morínigo selbst zum Präsidenten ernannt und herrschte danach für die folgenden acht Jahre diktatorisch. 1948 wurde er durch einen Putsch abgesetzt. Im September 1949 folgte ihm Federico Chávez, der Anführer einer Gruppierung innerhalb des dominierenden Partido Colorado war und das Vertrauen der Armee besaß. Chávez wurde ohne Opposition zum Präsidenten gewählt. Er regierte als Diktator ähnlich wie Morínigo. Im März 1951 ließ Chávez die paraguayische Währung abwerten, um die Inflation und den Schwund der Goldreserven zu bremsen. Die Wirtschaftskrise verschärfte sich 1952 noch, als Argentinien, das selbst mit einer Rezession zu kämpfen hatte, Geschäfte mit Paraguay kündigte. Nach einer Wiederwahl 1953 wurde Präsident Chávez 1954 durch einen Militärputsch gestürzt. Das Stroessner-Regime Nachdem er durch diese Umsturzaktion an die Macht gekommen war, ließ sich General Alfredo Stroessner, Oberbefehlshaber der Armee und Chef des Partido Colorado, im Juli 1954 formell zum Staatsoberhaupt wählen. Stroessner regierte diktatorisch und wurde nach 1958 alle fünf Jahre wieder gewählt. Bei den Wahlen von 1968 durfte erstmals seit 30 Jahren die Opposition eigene Kandidaten aufstellen. Stroessner erfreute sich seit Mitte der sechziger Jahre aufgrund wirtschaftlichen Aufschwungs wachsender Beliebtheit. Viele Paraguayer waren aber wegen seines diktatorischen Regimes ins Ausland geflohen. Ende der sechziger Jahre leitete das Stroessner-Regime enge wirtschaftliche Beziehungen zu den Nachbarstaaten ein. Im Mai 1968 wurde der Pakt der La-Plata-Staaten von den Außenministern Argentiniens, Boliviens, Brasiliens, Paraguays und Uruguays unterzeichnet. Mit dem Abkommen, das die gemeinsame Entwicklung der Staaten am La-Plata-Becken zum Inhalt hatte, verband sich die Hoffnung auf den wirtschaftlichen Aufschwung der ganzen Region. Dieses Ziel war besonders für Paraguay, das am wenigsten entwickelte Land, von Bedeutung. Die siebziger und frühen achtziger Jahre waren von Stabilität geprägt. Das Staudammprojekt Itaipú am Paraná, eines der größten der Erde, wurde in Zusammenarbeit mit Brasilien verwirklicht. Die Inflation hielt sich in Grenzen, aber der sinkende Absatz paraguayischer Exportgüter führte zu steigender Arbeitslosigkeit und einer Verschlechterung der Handelsposition des Landes. Mitte der achtziger Jahre kam es zu einer begrenzten politischen Liberalisierung. Nach der Wiederwahl zu seiner achten Amtsperiode 1988 wurde Stroessner im Februar 1989 durch einen Putsch gestürzt. Der Anführer der Putschisten, General Andrés Rodríguez, gewann als Kandidat des Partido Colorado die Präsidentschaftswahlen. Er begann mit der Privatisierung von Staatsbetrieben, doch blieb die wirtschaftliche Entwicklung bescheiden, und seine Partei verlor an Rückhalt im Volk. Der von der Partei nominierte Kandidat Juan Carlos Wasmosy gewann im Mai 1993 die Präsidentschaftswahlen. Im Juni 1996 gipfelte die soziale Unzufriedenheit weiter Teile der Bevölkerung in einem landesweiten Generalstreik. Die Präsidentschaftswahlen im Mai 1998 gewann mit 53,9 Prozent der Stimmen die Colorado-Partei mit ihrem Spitzenkandidat Raúl Cubas, der dem Parteiflügel um den ehemaligen General Lino Oviedo angehörte. Der Vizepräsident der Partei, Luis María Argaña, repräsentierte die Anhänger des ehemaligen Diktators Alfredo Stroessner. Ein dritter Parteiflügel stand hinter dem bisherigen Präsidenten Wasmosy. Wahlbeobachter der Organisation Amerikanischer Staaten erklärten, die Wahlen seien die demokratischsten nach vierzig Jahren Diktatur gewesen. Nachdem er für das Attentat an Vizepräsident Luis María Argaña verantwortlich gemacht worden war, trat Präsident Raúl Cubas am 28. März 1999 zurück und ging nach Brasilien ins Exil. Senatspräsident Luís Ángel Gonzáles Macchi wurde als neues Staatsoberhaupt vereidigt. An der neuen Regierung sind zum ersten Mal seit 1947 wieder Politiker der Opposition beteiligt. Am 19. Mai 2000 initiierten aufständische Soldaten einen Putschversuch. Regierungstreue Truppen brachten die Situation jedoch innerhalb weniger Stunden unter ihre Kontrolle. Bei der am 13. August 2000 abgehaltenen Wahl des Vizepräsidenten setzte sich der Kandidat der oppositionellen Alianza Democrática, Julio César Franco Gómez, durch.
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